Der Wanderkönig
Spuren einer wandernden Identität Das Projekt "Der Wanderkönig" ist ein Gesamtkunstwerk: Ein poetisch-visueller Zyklus aus Klang, Bild, Objekt, Text - und Bewegung. Dieses Buch versammelt die Gedichte - und nur sie. Es gibt keinen Anfang. Keine Erklärung. Nur Erscheinung und Abschied. Transformation statt Narration.
Die Identität ist kein Ursprung. Sie ist ein Rand, der sich bewegt.
Der Wanderkönig ist keine Figur der Herrschaft. Er regiert nicht. Er geht.
Sein Körper ist kein Symbol, sondern eine Erscheinung: fragil, ausbalanciert, lichtdurchlässig.
Er tritt auf mit einem Zepter aus Umbruch, einer Krone aus Fäden, einem Kopfputz aus Fundstücken.
Seine Geste ist ein Gedicht. Sein Schritt - eine Frage an die Zeit.
Sein Reich ist das Dazwischen. Zwischen Sichtbarkeit und Verschwinden, zwischen Ort und Nicht-Ort.
Er durchquert Räume, die weder Bühne noch Heimat sind.
Licht begleitet ihn - enthüllt, durchschneidet, verwandelt.
Die Krone wird zur Antenne. Der Stab ist Maß, nicht Macht.
Der Körper bewohnt den Raum, statt ihn zu beherrschen.
Die Identität ist Prozess - offen, plural, durchlässig.
Wie ein homo viator, wie ein irrendes Subjekt, denkt der Wanderkönig im Gehen.
Der Weg ist seine Philosophie.
Seine Sprache ist performativ, differenziert, rhizomatisch.
Er ist Gast und Gastgeber zugleich.
Er spricht mit dem Fehlenden: mit Fragmenten, Verlusten, Übergängen.
Er erinnert, indem er geht.
Wie ein wandernder Griot bewahrt er, was vergehen könnte.
Die Gedichte, die ihn begleiten, erklären nichts.
Sie geschehen.
Sie sind wie Fundstücke: zerbrechlich, schimmernd, vieldeutig.